Popcorn »

 

12/85

Falco live

Popcorn 12/85Es gibt keine Bretterwand, keine Litfaßsäule in Österreichs Haupstadt Wien, die nicht das giftgrüne Poster mit der Aufschrift *Kommissar Falco live ‘85* trägt. Wien feiert seinen Superstar, der im Sommer 1981 mit dem Song *Der Kommissar* auszog, um in Windeseile die Charts in ganz Europa zu erobern. Dieses Jahr nun hob der, am 19 Februar 1957 als Hans Hölzel geborene Wiener, in noch höhere Erfolgsspähren ab: *Rock me Amadeus* und *Vienna Calling* besorgten ein grandioses Comeback, dem jetzt die Tournee folgte.
Die Premiere fand natürlich in Wien statt. Um 20.40H, mit 40minütiger Verspätung, verlöschen die Deckenlampen in der Halle. Ein klassisches Streicherthema erklingt vom Tonband - *Rock me Amadeus*. Im Halbdunkel der Bühne, begibt sich ein Musiker nach dem anderen an sein Instrument. Drei Minuten hält das instrumentale *Amadeus*-Intro an. dann zündet plötzlich ein Blitz über der Bühnenmitte - Falco sprintet auf die Bühne, bekleidet mit schwarzen Jogginghosen, weissen Turnschuhen und einem lila, halbärmeligen Hemd. Die Zeit der italienischen Massanzüge und Sarinschlipse scheint für den Wiener Star endgültig vorbei. Geblieben sind jedoch seine blasiert anmutenden Gesten und die aufgesetzt-arrogante bis clowneske Mimik. Dennoch: Der in Videos und auf dem Bildschirm meist recht unnahbar wirkende Austria-Rapper gibt sich live volksnah, auch wenn er während der 90minütigen Show ausser “Guten Abend Wien, ich heisse Falco” keine weiteren Worte ans Publikum verliert. Er lässt seine Musik und die Songtexte sprechen. Und die werden verstanden, wie Hymnen von der ersten Minute an Zeile für Zeile von den 1000 (0?) Fans mitgesungen. Obwohl sich seine Bühnenaktionen mehr durch pantomimische Posen asl geballte Power auszeichnen, entfacht Falco ein wahres Live-Inferno. Zur perfekten Personality-Show passt die bombastische Bühnenkulisse: Denn aufwendig sollte sie schon gestaltet sein, Falcos Live-Feuertaufe, für deren einwandfreies Gelingen man gut drei Wochen in einer Halle des Wiener Messegeländes geprobt hat. Zwölf Meter lang, fünf Meter breit und sieben Meter hoch, misst die Bühne. Den Hintergrund bildet eine schwarze, halb lichtdurchlässige Leinwand, auf der von beiden Seiten Lichteffekte projeziert werden. Im Spothimmel hängen weit über 100 scheinwerfer und zudem sechs Variolights, jene Wunderlampen, die farbe und richtung auf Knopfdruck blitzschnell verändern können und so die Bühne in ein wahres Multicolor- Feuerwerk tauchen. Chris Laska, ein Lichdesigner aus London, programmierte die Variolights genau nach Falcos Showablauf. Eine vier Meter lange, und sieben Stufe hohe Treppe bildet eine effektvolle Kanzel in der Bühnenmitte - dahinter, auf einer weiteren Empore, Drummer Bodo Schopf, ein versierter, deutscher Studiomuiker. Falcos extra für diese Tournee zusammen- gestellte *Vienna All Star Rock’n'Roll Band* weist darüber hinaus sieben weitere Musiker auf: zwei Keyboarder, drei Gitarristen und zwei Bläser. Und die setzen denn auch alles daran, den Plattensound auch live maximal umzusetzen - es gelingt perfekt! Nur Falco selbst sorgt ab und zu für einige, wenn auch nicht stimmliche Patzer. Immer dann, wenn die Songs mehr gesungen anstatt gerappt werden müssen, wie etwa bei *Junge Römer* oder *Auf der Flucht*, erlebt die *Stimme des Falken* streckenweise böse Abstürze, was jedoch der Begeisterung der Wiener Fans keinen Abbruch tut. Konzerthöhepunkt ist zweifellos die Präsentation des Songs *Jeanny*, Falcos aktueller Single, mit der der Wiener übrigens im Dezember in der Peter Alexander-Show *Wir gratulieren* auftreten wird.
Das Publikum gerät bei dem dramatischen Song um ein junges Mädchen in totale Raserei. Als das Lied verklingt, lässt ein Meer von Wunderkerzen und Feuerzeugen die Halle fast taghell erstrahlen. Ähnlich ekstatisch dann die Publikumsresonanz auf die drei Schlussnummern *Der Kommissar*, *Vienna Calling* und *Baby Blue*, zu der sich Falco mit Zigarette zwischen den Zähnen betont lässig auf einen Barhocker setzt. Als letzte Zugabe bringt der scheinbar gerührte Falco dann endlich den Superknüller *Rock me Amadeus*. Jeder in der Halle steht auf. 20 000 gegen die Saaldecke gerichtete Hände wiegen sich im Rhytmus, wie die Halme eines Kornfeldes im Wind - ein imposantes Bild.
Fazit: Falco hat seine Live-Feuertaufe grandios bestanden!!

Erscheinungstermin:
Dezember 1985

Download Popcorn 12/85 (645)